Uschi Hammes

uschi
Abschied vom Sommer

Die Sonne verliert ihre wärmende Kraft
Die ersten Herbststürme machen den Strand erneut
Zum alleinigen Wandelplatz der Möwen…
Und vielleicht
Kommen dann auch die Robben wieder zurück.

 

 

 

 

Nebelgesang

Das Land liegt still
Der düstere Gesell der Dunkelheit vertrieben durch das Licht am Horizont
Noch eine Zeitlang wird die Ruhe halten
Die Dämmerung verbindet alle Wesen sanft
Die einen müde und erschöpft vom Überlebenskampf der letzten Stunden
Die an´dren matt nach ew´ger Schlacht – Gedankengeister gegen Schlaf.
Hier wird es keinen Sieger geben solang die menschlichen Geschöpfe
So störrisch sich v e r l e b e n
Die Luft weht kühl
Der Pflanzen morgendliche Nahrung
Der Tau der sie nun farbenfroh erstrahlen lässt
Die Spinnennetze schwer von Last der Feuchtigkeit den Opfern ungefährlich scheinen.
So bricht er an – ein Erdentag.
Und noch bevor der erste Blick zum Himmel das Herz zum Lächeln zart verführt
Im Tal das Kirchgeläut und Kinderlachen sich umarmen
Zieht wie an unsichtbaren Fäden
Natur den Vorhang leicht empor zum nächsten Akt
In dem der Mensch spielt nur noch die Komparsenrolle.

 

 

Es wird Zeit…

Wenn Wolken hastig übern Himmel ziehen
Der Reiher auf dem Weg zum Fluss die Richtung plötzlich ändert
Wenn Wind lang vor dem Sturme müde weht
Und Fliegen an der Fensterscheibe uns ermahnen –
so grenzenlos der Weg auch scheinen mag –
dem Sisyphos Tribut zu zollen…
Wenn alles schläft doch ohne Ruh´ zu finden
Sich Straßenlärm hinüberrettet durch die Nacht
Und Sonnenstrahlen kaum mehr über Berge klettern
Dann wird es Zeit aus dem was ist zu flieh´n…
Bevor die Melodie der Freiheit
verdrängt vom Gleichschritt toter Seelen
Nur noch aus Gräbern leis´ zu hören ist

 

 

 

Abschied

Eines Tages werde ich auf einem Felsen sitzen
Es ist Sommer – doch DU spürst ihn nicht mehr
Die Felsenzunge ragt weit hinaus aufs Meer…
Und ich werde dasitzen – die Beine gekreuzt und an DICH denken
An DICH die den Sommer nicht mehr spüren kann
Ich werde alleine sein und zum Wind sprechen
Vielleicht zu den Vögeln – den Wellen
Ich werde fragen aber ich bekomme keine Antwort
So werde auch ich damit aufhören – wie DU die den Sommer nicht mehr spürt
Die Sonne wird untergehen
Langsam wird das Glitzern auf der Wasseroberfläche verschwinden
Es wird kühl und still
Zeit zu gehen
Sterne senden Hoffnung
Und doch: Ich friere

 

 

 

Vom Wasser

Ein Rinnsal tief im dunklen Berg
Ganz klar und rein entspringt dem Fels.
Noch unscheinbar wird es besucht
Von kleinen, durstigen Gestalten.
So läuft es seinen selbstbestimmten Weg
Und doch nicht frei von Richtung
Ein Bach wird draus
Der eifrig plätschert sorglos bis ins Tal –
Gar manchen Stein als Spielgefährten.
Doch lang verweilt es nicht das Nass.
Vereinen muss es sich mit Bächen aller Erdenwelten.
Herangereift zum starken Strom
Braucht es nun kaum Gefälle noch.
Bestimmung treibt es bis zum Meer
Wo Tränen längst vergessner Trauer
Als Salz der Welt sich Frieden träumen

 

 

 

Eifelherbst

Der Nebel nun das Land bedeckt
So sanft und schwerelos wie Seide
Der Himmel er scheint ausgestorben – leer
Kein Flügelschlag soweit das Auge blickt
Nicht lang ist´s her
Da Korn gleich Meereswellen wallte
So zart und reif
Wie nur der Sommer kann betören
Jetzt scheint das Feld wie eingefroren
Ganz gleich wie stark der Wind auch zerrt
Ach würd´ noch eine Biene summen
Ein Mückenmännchen um mich buhlen
Die Sonne mir die Haut verbrennen
Und sei es nur für Stunden
Was würde es mein Herz erfreu´n
Doch da durch Dunst ein Wesen naht
Den Atem kaum im Zaum zu halten
Lauf ich entgegen der Gestalt
Die Arme weit gestreckt zum Gruß
Ich greif ins nichts
Und doch
Mein Herz gewahrt des Dunstes Trug
Der kündet von des Winters langer Einsamkeit

 

 

In einer langen Nacht

In einer langen Nacht wie dieser
Wo Sternenstaub vom Himmel fällt
Und Eulen lautlos Beute schlagen
Da denkt das Herz und der Verstand fühlt stumm
In einer langen Nacht wie dieser
Wo alles scheint erfroren kalt
Und Stille aus dem Schlaf dich schreckt
Da treibt die Zeit die Sehnsucht nach dem Unbenannten
In einer langen Nacht wie dieser
Wo Tore offen sind zu Welten die kaum ein Mensch gesehen hat
Und Freiheit Schlüssel ist zu längst Erahntem
Da grausts dich schon…
Von weitem schlägt de Kirchuhr 3
In einer langen Nacht wie dieser
Wo alle Zeichen für dich stehn
Und Zauber wirklich Wahrheit ist
Da fehlt dir Mut…
Und die Vernunft lässt wieder Träume wachsen

 

 

Beschreib´ die Zeit in der du lebst

Was fall´n dir da für Worte ein?
Sie war schon stiller, hörst du – leise
Und Bienen summten Frieden…
Der Fuchs stahl längst schon keine Gänse mehr
Und wohnte mit Herrn Hase Bau an Bau
Wie lachte er doch laut:
„Warum sich jagen, morden gar –
Genug ist doch für alle da!“
So seine weisen Worte
noch lang bevor du sahst das Licht am Morgen glänzen…
Doch was geschah?
Die Gier und ebenso die Macht
Sie können keine Harmonie
Der Seelen schwarze Blicke schon lang heraufbeschworen
Die Leiter zu den Menschen Stuf´ um Stiege sie erklommen
Ein bisschen schwarze Erde dort
Und da ein wenig Neid gesät
Die Angst geschürt
Und Flammen fressen sich durch Mark und Bein
Bis auch die Weisheit schweigt und sich besiegen lässt…
Du fragst welch düst´rer Alp mich hat besucht in dunkler Nacht?
Es war kein Traum!
Vielleicht bin ich nur eins:
ERWACHT!

 

 

Solange wir leben

Im Gesang der untergehenden Sonne
Donnerrollen
Fadenscheiniger Regen
Streithafte 3 Blitze
Tropfen an den Fenstern meiner Seele
Der Wind weht Staub von den Erinnerungen
Golden sollen sie sein
Vielleicht auch nur vergoldet im schönen
Schein
Licht vergeht zur Nacht aus der Hoffnung emporsteigt
Der Glaube dass sich Berge versetzen
lassen
Irgendwann einmal
Schön wärs bei Vollmond
Nur so halt
Wegen der Spiritualität
Meinetwegen auch fünf Tage davor
Ohne Wert das Drumherum
Der Sinn liegt im Kern
Denn
Nur dort entsteht der Anfang zu einer
Neuen Melodie

 

 

Herbststurm

Lange Schatten zeigen früh schon gegen Ost
Und unaufhaltsam reißen Blätter von den Bäumen
Der Wind der alte Spieler –…
Er nimmt sie mit – Er lässt sie tanzen
Bis er sie sanft zu Boden legt
Das Bunt der Wälder
Schnell wandelt es sich grau und braun
Verblasst sind Farben – Sommerlachen
Die Unbeschwertheit – Zu leicht um zu verweilen
Und kaum ist es zu spüren
Deckt erster Schnee Gedanken zu
Erinnerungen wachsen mehr und mehr
An Apfelduft und Erntesegen
Du weißt du wirst den Winter überstehn
Den Schuppen voller Holz geladen
Die Vorratskammern reich gefüllt
Und doch
Das Herz ein bisschen traurig schon
Und ängstlich vor der stillen Dunkelheit

Ein stiller Schrei zerreisst die Luft
Enttäuschung lodert leise
Der Weltenschmerz sich durch das Erdreich quält
gleich einem Wurm
der niemals Sonnenlicht erblickt
Was wird von uns noch übrig bleiben
Wenn nachts sich schleicht die Traurigkeit zur Wut
Doch kaum dass Nebel steigt zu Berge verschämt sich hinter Angst versteckt…

 

 

 

Gedanken zum Herbst

Noch hängen Blätter an den Bäumen
Doch viele verfaulen schon wieder im Gras!
Der Wind in Böen vertreibt Sommerträume…
Der Regen fällt leise und macht alles nass!
Du sagtest einmal du magst den Herbst gerne
Mir geht da anderes durch den Sinn
Der Himmel verhangen – keinerlei Sterne
Wieder Zeit um zu fragen wer ich eigentlich bin.
Bald zieh’n die Vögel hinab in den Süden
Alles wird stiller leerer verblasst
Und ich sitze hier mit all diesen Lügen
Von Liebe von Tod über Lebenslast.
Die Kälte schon nagt sie an den Knochen
Im Sommer war’s warm da dacht’ man nicht dran
Es reicht einfach nicht jetzt Tee zu kochen
Den Fernseher Computer die Kerzen an.
Die Natur macht langsam die Trickkiste zu!
Nun heißt es Fantasien spielen zu lassen
Der eine sammelt Äpfel der andre die Ruh
Vieles unfassbar manches zu fassen –
Zum Beispiel die Hände die nach Hilfe sich strecken
Vielleicht auch die Chance sich selbst zu entdecken?
Die kürzeren Tage sie bringen mehr Raum
Zu denken zu fühlen man merkt es kaum
Ein paarmal gesungen das eigene Lied
Und schon wird man spüren wie es erneut hinaufzieht
Das Frühjahr
Mit Düften Helle und Wärme…
Schön dass ich irrte
Denn:
Auch ich hab ihn gerne

 

 

 

Ich habe es gesehen

Man sagt
Es ist doch nicht schlimm
Wenn die Kinder weinen…
Sie verstehen doch nichts vom Leben
Man sagt
Es ist doch nicht schlimm
Wenn die Alten weinen
Ihr Leben ist doch schon vorbei
Man sagt
Es ist doch nicht schlimm
Wenn die Tiere weinen
Sie haben doch kein Gefühl
Aber was, wenn schon die Steine weinen…?

 

 

 

Die leise Helligkeit

Ich hab sie verloren
Die leise Helligkeit
Sie lag heute morgen tot am Strand
Ich trug sie zu Grabe
An einem einsamen Ort.
Vielleicht bleib auch ich
Und gieße die Blumen mit meinen Tränen
Solang bis die Erde aufhören kann zu schreien

 

 

 

Melancholie

Sie klopft nicht an
Die Zeit des Abschieds und der Stille
Längst lachen Vögel auf sonnigerer Erde…
Und jede Nacht verkürzt die Tage.
Der letzte Strauß voll Farben und Duft
Die letzten Gräser geschnitten am Boden
Der wilde Wein in dunklem Rot
Und morgens liegt Tau auf verlassenen Bänken
Der Sommer war kurz, doch reich war das Licht
Fast ahnt man den Winter im dunklen Gewande
Er kommt nicht leise – er stapft laut und klirrt
Das Jahr es zieht vorbei wie das Leben
Schnell wie der Wind
Der unsichtbar fröstelnd die Haut berührt.