Ein kleiner Rückblick unserer ‚Liebsten‘ als Dank an alle, die auch in diesem lyrischen Jahr Lust und Muße hatten uns zu begleiten.
Die letzten Zeilen, ein Zeichen für ein gesundes, friedvolles und gemeinsames Jahr 2019.

 

 

Aufgebrochen liegt die Scholle …

So wie das letzte Blatt zu Boden fällt
Und starke Winde landwärts ziehen
So wie der Mensch jetzt leiser wird
Und Lichter unsre Fenster schmücken
UH

Herbststurm grau treibt Regenfahnen
trutzig breit weit über Land.
Durch der Ödnis Sterbensahnen
wärmt Sommerherz des Liebsten Hand.
RM

Aufgebrochen liegt die Scholle,
Die letzte Mahd ist lange her.
Und in Bälde will Frau Holle
Die Lande weihen, weiß und hehr.
HH

So wie wir uns näher rücken
Türen knarrend abzuschließen
Sonnenlicht und Meeresklang
Geschichten uns zur Nacht erzählen
So will ich bleiben lange Zeit
Meine Wärme mit dir teilen.
ba

Erwärmt lauschen unsere Herzen,
wie das Holz im Feuer knistert
und wie der Winter an unser Fenster
leicht klopft und uns schildert,
wie sanft Schneeflocken auf den Boden fallen.
DD

So wie der Mensch nun tief einkehrt,
in Stille achtsam verweilt,
wird ihm gewahr:
ohne sein zutun fließts weiter….
DA

Die Sterne leuchten heller als klar
Zarter Duft verrät den Geist, der lieblich naht
Kerzenhell erleuchtet der Raum und die Herzen
Fließende Zufriedenheit
CS

(gemeinsame Dichtung der Coronalyriker)

nochmal wunderbar rezitiert von Ralf Maul:

https://soundcloud.com/dalai-ramix/corona1?fbclid=IwAR1XeaO_i17CEIQ9CNFnTx7Iynu7sH70txS-J7YlrkdywvBxTgbz4A_cuPo

 

 

 

Sehn-suchts-voll

blicke ich in den Kelch einer weißen Nelke,
kann nicht widerstehen
ihrem betörenden Duft,
in ihrem Schlund
verschlingt mich ihr süßer Saft
und ich weiß,
ich werde fortan in ihr vergehen…….

Sehn-suchts-voll

in zittrigen Wellen
gleichsam herzzerreißend taumelnd
wähne ich mich in ihrem Paradeise
von den Geistern, die mich umgeben
in aller Herrlichkeit
und doch
in erbarmungsloser Trunkenheit……

Welch Weiser,
oh, ihr großen Dichter des Morgenlandes
möge mich, ich armer Tor
aus diesem Schlund befreien ?

Nur ihr, die ihr die Liebe besingt,
wisst um ihre Reinheit,
ihre Wahrhaftigkeit,
ihre Beharrlichkeit….

Drum lasset mich hinaus treten,
mich tief den frischen Wind einatmen,
auf neuen Pfaden wandeln
und mich erfreuen an dem Duft der weißen Nelke
am Rande eines anderen Weges…….

Daphne Amiri

 

 

 

geduldsfaden

Ich übte mich in langmut
hielt den geduldsfaden
fest in den händen
und hütete ihn sorgsam
wie mein wildes zungentier
das aufbegehrte

Atmete tief ein und aus
damit die Wut verflog
der Faden nicht riss
auf dem ich zu dir wollte
doch da war die Liebe schon
tränenweit fort

ba

 

 

 

Vielleicht

Ich sammle deine Tränen auf,
und rahme sie gold ein.
An der Wand hängend,
werden sie mich erinnern,
als du noch Mensch warst.

Ich sammle deine Tränen auf,
und würze damit Fades.
Was nicht schmeckt,
nicht bunt ist,
und von Emotionen verlassen.

Ich sammle deine Tränen auf,
und gieße sie über alte Bilder.
Vielleicht erweckt ein Funke zum Leben,
vielleicht kriegen vergessene Träume Kinder.

CS

 

 

 

Sehnen

Sehr tief verschüttet im Vergessen
Brodelt das Sehnen der Ekstase.
Des Menschen Geist kann’s nicht ermessen,
Nur kurz, die eruptive Phase.

Und, weil die Lust nur kurz befriedigt
Treibt das Sehnen Manchen in die Sucht.
Die Kraft, die Menschen so erniedrigt,
Erhöht den, der wahrhaft in sich sucht.

Die Sucht des Sehnens falsch verstanden,
Krümmt die Sicht der Welt im Spiegelbild.
Die Sehnsucht ist deshalb vorhanden,
Dass als Gott der Mensch die Welt sich bild‘.

HH

 

 

 

 

Geduldsprobe

Verlassen steht das alte Haus
Die Löcher die einst Fenster waren
Sind Zeugen stetigen Verfalls

Davor ein Baum
An dessen dicken Ästen
Sich schon so mancher Traum verlor

Der Mond verfängt sich auch bisweilen
In seiner Krone himmelshoch
Wenn gleißend kalt er übern Erdball zieht
Wohl wissend von der Macht
Der ewiglichen Wiederkehr

Was wird wohl werden fragt der Mensch
Der Baum er lächelt sorgenfrei
Denn er hat viel schon überlebt

Und für den Hauch des Augenblicks
Fühlt man den Jahreszeitenzauber
Und sieht geduldig zu
Wie sich am Firmament bedrohlich Wolken türmen

UH

 

 

 

 

Aufbruch

im ganzen Leben,
auf der Suche nach neuen Gipfeln,
träumt jedes Ende,
den Wiederanfang zu begrüßen,

jedes Mal, vielleicht ein wenig höher,
jedes Mal, vielleicht ein wenig weiter …

und eine Träne,
im wiederkehrenden Aufbruch,
kühlt wohltuend die heiße Wange,
im Andenken an das Bleiben,
hinterlassen von jedem Gehen …

DD

 

 

 

 

Wie ein Grashalm,
mich hautsanft berührt
während die letzten Sonnenstrahlen
mir mein Gesicht erwärmen,
die Kühle der nahenden Nacht
sich zaghaft bemerkbar macht
und ich einfach nur atme…..

Ich brauche sie nicht, die Brücken
erbaut aus abstrakten Gedankengängen,
sich in konzentrischen Kreisen verzweigend,
mir selbst unerreichbar,
unnahbar….

Dem Spürgewahrsein
öffne ich die Pforten,
dahinter herznah erbaut
erblicke ich sie
die ersehnten Brücken.
Leichtfüßig wandle ich hinüber,

mir selbst genügend…..

Daphne Amiri

 

 

 

 

Heiter weiter

Ist alle Angst von mir gewichen,
Will heiter ich ins Chaos schlittern.
Ist das G siebenfach gestrichen,
Fängt an die Spiegelwelt zu splittern.

Keine alten Bücher helfen dann,
Ist eine neue Welt im Werden.
Auch die alten Götter trifft der Bann,
Ist selbst man Schöpfer nun auf Erden.

Der Horizont strahlt seltsam heiter,
Lichtdurchwirkt erscheinen Fels und Baum.
In echter Liebe baut nun weiter,
Vollkommen, der Mensch an seinem Traum.

Heiterkeit durch’s Universum tönt,
Ein neuer Mensch wird schon gemunkelt.
Und das Firmament wird auch geschönt,
Auf dass die Erde heller funkelt.

HH

 

 

 

Freiheit, die ich meine…

In der Gebundenheit
Grenzen überschreiten
Gegen Windmühlen an
Die Waage in der Hand

Auf das Echo hören
Nach Zeichen suchen
Samen auf’s Land streuen
Für Freiheit und Liebe

Tief in Not und Elend
Tränen der Anderen
Auf der Schale wiegen
Damit die Saat gedeiht
Ba

 

 

 

 

Die Balken die einst stützten – morsch
Betreten kann sie keiner mehr
Und zwischen feuchten Spalten wächst lang schon 
erstes Grün

Wohin sie führt
Was sie verband
Zu dieser Stund´ weiß niemand mehr die Antwort

Ein Menschenfreund schlug eine Latte quer
Ganz vorn vom Handlauf links zur and´ren Seite
Vielleicht huscht ab und an noch eine Maus hinüber
Verfolgt von Räubern in der Nacht

So steht sie da
Als Zeuge jener Zeiten
Von denen laut getönt dass sie einst besser waren

Traust du dich vor bis an dem Rand des Felsens
Siehst du am Grund der Schlucht den Bach
der stetig fließt
Und den falls je ein Mensch es wollen mag
Man leicht zu Fuß durchschreiten kann

UH

 

 

 

Ad Libitum

Manchmal
ist mir die stillste Ruhe
zu laut
Die lauteste Stille
zu ruhig
Die ruhigsten Laute
zu still

Manchmal
fehlen Grenzen
für einen Anfang
und
für ein Ende
Alles läuft für sich
und über Alles
und
über zu Vieles hinaus

Nur der Himmel wehrt sich
und
die Erde wartet geduldig
auf jedes Heute
und jedes Sein
und dazwischen ist…
Freiheit

CS

 

 

 

 

Barfuß …

es sind dieselben, alten Straßen,
über Brücken aus Granit,
auf denen Kirchenväter wandelten
in aller Willkür des Schicksals

auf Händen tragend,
alles, was noch zu lehren ist
und das Pulsieren aller uns
noch davorstehenden Metamorphosen …

eingeschneit die Berge im dichten Nebel
und die Jahre gehen hin,
auf gleichen, alten Straßen
über Brücken aus Granit …

DD