Standpunkt / Blickwinkel




Das heute wenig praktizierte Ändern des Standpunktes, erweitert den Radius des Denkens und bringt neue Einsichten und Aussichten. Der zur Zeit weltweit gebräuchliche k&k (kurz- und klein gedacht) Realismus, wahrt vielleicht heroisches Altes, spaltet jedoch die Völker und verhindert dadurch das Voranschreiten der Menschheit.






Ich darf…

Radial mich vorwärts denken,
Bis Universen mir zu klein.
Mich als Kraft zur Erde senken
Und eine kleine Gottheit sein.

Stetig meinen Standpunkt ändern,
Von allen Seiten mich betrachten
Und auch an diffusen Rändern
Nicht loben, auch nicht verachten.

Erkennen mich in jedem Sein
Und Alles lieben wie es ist.
Niemals werfen den ersten Stein,
Ob Hindu, Moslem oder Christ.

HH









Zwischen „Fickt euch doch!“
Und „Ich liebe euch!“
Zwischen Verzweiflung,
Hoffnung, Freude kroch
ich immer wieder ins Vertrauen.
Auf diesem Standpunkt lässt sich bauen.

Ob ich hin und her gerissen werde.
Man mich beschimpft, dass ich gefährde.
Die Paukenschläge meines Herzens.
Mich fast zerreissen unter Schmerzen.
Weiß ich doch es wird nicht sterben.
Vertraue ich auf Mutter Erde.
Für die Menschen, für das Leben.

Werd ich meine Heilung leben.
Was mich trifft, mich traurig macht,
das wart ihr nicht, hab ich geschafft.
Selbst wenn ich an dem Pranger stünde.
Wär noch Vertrauen meine Macht.

Maria Hoffmann








Hinblick

Der Tag zögerte noch
seine Augen zu schließen,
fall ich in Ohnmacht.
Der Ungeahnte suchte mich auf
und fragte, wonach
ich mich bemühte.
Verlegend und gedemütigt
kam die Antwort aus meinem Gewand,
da ist eine Wand,
die ich nicht durchbrechen kann.
Ausziehend seine dunkle Kutte,
deutete mir dieser,
ich sei die Wand,
ich soll mich selbst brechen.
Daraufhin kniete ich mich
vor mir selbst nieder,
Die Tür war einen Spalt offen.
Der Ungeahnte innewohnte in mir.
Eine Lichtung in der Dichte …

Be Zoban









Ich schaue gern
genau dort hin.

Dort, wo so viele
scheitern.

Ohne je zu sehen.
Doch im Stande
weitergehen.

Es braucht nur
einen klaren Blick,
des Sehens Winkel
zu erweitern.

Dort hin gehend,
einzig stehend.
Hin zu diesem
kleinen Punkt.

Ralf Maul










Blickwinkel

Wie schaue ich auf dich
im Hadern
Wie wende ich mich ab
im Streiten
Wie suchen die Augen
dich wieder
Du mir eingewachsen
tief im Leib
Einst unbändiges Glück
zum Weinen
Nun stille Dankbarkeit
in Blicken
Dir scheu zugeworfen

ba









So vieles hat sich verändert!
Ich habe den Standpunkt verloren!
Plötzlich war er weg!
Ich bemerkte es nicht einmal als er verschwand!
Irgendwann spürte ich es
ignorierte es
versteckt hinter einer Maske.
So lief ich durch meine Stadt
die ihr Gesicht verloren hatte
weil die Menschen sich verloren hatten
sich nicht mehr fanden
weil sie sich nicht mehr suchten.
Zwischen Irren und Menschlichkeit
leuchtet mir das Kreuz
und ich besann mich eines größeren.
Als ich die Kapelle betrat
lächelte Maria
und ich spürte bald ist Weihnachten.

UH








Ready to Go.

Ich schau mich um nach meinem Standpunkt und finde ihn jetzt, nicht gestern und morgen gar noch unbekannt. Mein Standpunkt ist jetzt, so betrachte ich das Entdeckte aus meinem Blickwinkel, und sehe das Hier, nicht da nicht dort. Mein Standpunkt aus meiner Sicht ist gerade jetzt und hier.

CS








Blickwinkel …

große, weite Kreise
der Adler in den Lüften,
frei und im Himmelblau,
als ob sie versinnbildlichen wollen würden
auf Papier meiner Feder leisen Gesang …

doch die Baumwipfel verraten,
wie stark die Winde sind,
welch Mühe sie wohl haben,
ihren Flug zu halten
– in Höhen ist die Sonne heißer  …

und die Gottheit sinnt nach,
betrachtet …

in mein Buch schreibst du,
was ich lesen möchte
– siehe, die Adler fliegen heute tief,
jede Höhe ist gering,
lieber schweige … oder singe …

DD






Fülle

Ein Teil des Ganzen

Aufbruch in die Zukunft Gemeinsam unterwegs
Ich will die Güte des Herrn nicht schmähen
In der Fülle fühle ich

Das Jetzt und das Ich sind Eins
Garnicht einsam das Sein
Wir spüren, viel spaltet sich von uns
Gemeinsam weiter
Jeder ist ein Fast –
jeder ist kein Ganz
In der Fülle sind wir Eins
Ich – das Universum –
und Du und Wir

A, B, C
Der Du – Die Ich
und Das wirft warme Strahlen zwischen die Palmenblätter,
wohin der Wind weht –
zehn Grad kühler als ohne dich, oder gar nur deinen Schatten –

Wellen schieben Sand
und meine Gedanken
zu kleinen Hügelinseln –
menschenleer –
nur die Möwen kreischen –

Und weiße Streifen
aus Luft-Kreide
ziehen am Himmel vorbei, bleiben kurz und lösen sich auf.
Hinterlassen nichts
im Blau,
begleiten nur den Reisenden auf seinem nächsten Überflug.

Ich sehne mit nicht nach den Sternen,
bleibe mit den Füßen auf Pachamamas Erde –
bade im Liebesmeer
und verliere mich im zählen der Glitzerpunkte –
der See spiegelt das Licht.

( zart und seidig darf die Liebe sich suhlen und sich sehnen, sich bemühen, aufbäumen und anlehnen )

CS






Alles,
alles was in uns
verstorben.
Wieder neu
sich hoch belebend.
Wieder neu
mit Seltsam Kräften.
Vollgefüllt
und ohne Ahnung.
Kräftig klein
und immer scheu.
Wären wir
in Ahnungswelten,
wären wir uns treu.
In der Fülle
ist die Wahrheit.
Preisend sich
im grossen Ganzen.
Fülle soll uns allen sein.
Das dicke groß
im Allerlei.
Dick und klein
und wendig scheu.

RM







Fülle

Langsam streichel ich dich liebend.
Deine Oberflächenspannung sanft durchdringend schmiegst dich um die Finger meiner Hand.
Bewegsam und in dir kleine Körner von Sand.

Salzig klare, warme Luft dringt
bis in hintersten Winkel meiner Lungen.
Unendliche Weiten nähren meine Sicht.
Meine Fülle ist aus dir entsprungen.

Fern nun, nur Gedankenglitzern.
Wie gewesen nun das jetzt.
Aus Wolken fällt es ohne Glitzern.
So nährt es doch der Fülle Fest.

Maria Hoffmann









Voller Hingabe

Und so schufen wir Maschinen
und ließen Tiere leiden.
Versuchslabore unserer Eitelkeit.
Wie schön wir jetzt sind!
Gesalbt und gepudert
edel und rein
verlockend duftend begehrlich
den Jungfrauen gleich.
Nur die Scham wächst.
Also schäme dich!
Verkrampfe die Zehen
aus Furcht jemand könnte die Nacktheit durchschauen.
Die Lüge
dass du bereust
die Fülle deiner miesen Taten.

UH







Mangel und Fülle

Es sucht der Mensch, und flieht
Nach Mehr auf dieser Welt,
Bis Sucht ihn an sich zieht,
Der er zum Opfer fällt.

Es wühlt der Mensch, und jagt
Schnell seinem Glücke nach ;
Das fühlt sich wohl und sagt :
„In Toren lieg‘ ich brach“.

Es flucht der Mensch und weint,
Fehlt es ihm an Fülle.
Als Frucht des Herrn gemeint,
Liebt er nur die Hülle.

HH







Abgesang

Stehen im
Silberglanz der Nacht
Dunkelheit
mir wie ein Mantel

Einen Arm
voll Sonnenstrahlen
Den Nebel
leicht zu durchdringen

Durch Wiese
Wald und Feld treiben
Moossohlen
unter den Füßen

Die Flugkunst
des Milans lufthoch
Bestaunen
am Abendhimmel

Brombeeren
zwischen den Zähnen
Ein süßer
letzter Sommergruß

Eintauchen
in den Abgesang
So kann ich
In den Winter geh‘n

ba







in Fülle …

die Nacht erstirbt in nassem Gras,
ich soll glauben, ein neuer Tag beginnt,
um dies zu verstehen aber,
müsste ich wissen, was Neu bedeutet …

die Sonne müsste es wissen,
sie erwärmt das Gras
und lässt den kühlen Duft entstehen,
als eine Quintessenz eines Glücks …

und alles bleibt beim Alten,
ohne jemals zum Ende zu gelangen,
um dies zu verstehen aber,
müsste ich wissen, was Ende bedeutet …

DD






Meereslust





Meeresblick

Ein Fenster
Im Glas bricht sich der erste Sonnenstrahl.
Wie weise ist das Haus gebaut
Mit Blick aufs Meer.
Ganz früh am Tag
Wenn Winde sanft die Wellen kräuseln
Gehört der Strand den Möwen
Und auch dem Glauben.
Am Morgen ist man Gott noch nah.
Hier ist es leicht zu leben.
Weit draußen auf dem Ozean
Wie an der Schnur gezogen
ein riesiges Containerschiff.
Erklärt mit einem Satz das Leid der Welt.

UH






Alles Meer & Lust.

Ein Hauch Leben
3 Sekunden rein
2,5 Sekunden raus
Abhängig Sind Wir
& leblos without
Wir hecheln
& husten
bewegen es
Runter

CS







Das Lied der Erde

Ich stehe hier und richte
Meinen Blick in die Ferne,
In dämmrig fahlem Lichte
erahne ich die Sterne.

Die Erde atmen hör‘ ich
In den brandenden Wellen,
Und dieser Rhythmus setzt sich
Weiter fort in den Zellen.

Die Melodie der Meere
Seit Urzeiten in mir klingt,
Und der Schöpfung zur Ehre
Mein Herz ihre Lieder singt.

HH







Am anderen Ufer

Das Meer dunkelt.
Fensterläden klappern,
dem Sturm ein Spiel.

Das Kind bei Licht,
träumt von Abenteuern,
will Pirat sein.

Am anderen Ufer,
das Unheil bedrohlich,
Angst im Aufbruch.

Streiche dem Kind
über sein wildes Haar,
zärtlich bedacht.

Kein Trost nirgends,
während sie dort hilflos
im Meer sterben.

ba









Sehnsucht

Lausche der Reibung der Reifen auf Asphalt.
Trotz geschlossener Fenster.
Rauschen meine Sinne alt.
Werden Nächtens es Gespenster.

Schneidendendes Scheinwerferlicht malt groteske
Schatten an die Wand.
Ich träume sie weg.
Zu eng wird mir das Stadtgewand.

In die Ferne fliegend
Kann ich den Atem schon spüren.
Die Brandung riechen.
Den Sand, meine Zehenspitzen verführen.

Eintauchend, in flüssige Seidentücher.
Gewogen, getragen, behütet.
Der Ruf des Meeres dringt zu mir.
Des Nächtens, wie das Flüstern der Gespenster.

Maria Hoffmann







Wellen …

hinterher bleiben nur Gedankenspuren
dem Horizont entgegen gewogen
und die kostbaren Blicke
in die Weite geworfen,
solange, bis ihr Licht wieder zum Dunklen wird …

und das Rauschen der Woge,
wie ein Echo des letzten Grußes,
verliert sich in der salzigen Brise,
während Gischte im nassen Sand schwinden,
um später als neue Welle zu entstehen …

DD








Irrtum

Vom irren Tun

Ob Irrtum meint das irre Tun
Derer, die sich Menschen nennen?
Doch wär‘ die Antwort opportun?
Müsst‘ ich mich erst selbst erkennen.

Bisher hat kein Mensch gesehen
Wie groß und mächtig Menschen sind.
Denn, im rechten Licht besehen
Schlafen Menschen, sind taub und blind.

Hinterm Spiegel geht es weiter,
Das Spiegelbild ist nur Programm.
Der Mensch, vor Entzücken schreit er,
Erblickt er sich im Hologramm.

HH






Damals in Worms

Es ist schon viele Jahre her.
Da war direkt am Rhein eine kleine Zeltstadt.
Jung und klein war ich noch, grade mal 17
geworden und alle Flausen im Kopf.
Kistenweise kam Pfungstädter Edelpils heran.
Es wurde skandiert und diskutiert.
Junge, bärtige Söhne von Vätern versuchten,
Schlabberhosentöchter von Eltern auf die
Luftmatratze zu bringen.
Da mir das zu blöd war, belud ich mich
in meinem Rucksack mit 5,6 Flaschen und
wanderte über die Brücke nach Worms.
Blöderweise war Worms noch toter
als dieses Scheiss Zeltlager.
Also landete ich in einer, nunja, Nachtbar.
Dort waren junge Damen, die zu Playback
auf einer Bühne posteten.
Auch falsch!
Ich irrte herum.
In einer Einkaufsmeile (Nibelungen-Center?))
wurde ich feundlich geweckt.
Wo ich denn hinwollte?
Ja, über die Rheinbrücke.
aCH SO, dann hier und hier und da..
Wieder alles falsch.
Ich landete in einem Industriegebiet.
Wieder hatte ich mich verirrt
und das Bier wurde sehr knapp.
Da kam mir einer auf dem Rad entgegen.
Ja, was was machen sie denn hier?
ich will nur über die Brücke!
Kommen Sie mit, ist nicht weit.
Ich lief neben ihm und war geborgen.
Dann zeigte er geradeaus.
Immer nur hierlang, und jetzt heim, du Bub!
Ich kam zur Brücke im Morgenlicht.
So sehr hatte ich mich verirrt.
Er war einer der beiden Beamten,
die mich geweckt haben.
Er hatte mich entwirrt.

RM







ERRARE HUMANUM EST…
„Irren ist menschlich…“
(Hieronymus 347 n. Chr.)

Wenn ich mich irre,
steht die Erkenntnis
schon an der Ecke.
Manchmal unsichtbar,
im Trauerkleide,
wartet sie auf mich.
Wohnt in den Zweifeln,
zeigt aus dem Fenster,
lässt mich still denken
im Weltgetöse.
Klart meine Blicke.
Schickt den Irrtum fort,
nimmt mir die Scham und
schenkt mir Vergebung.

ba







„Irren sich die Götter, bebt der Himmel unter den Füßen der Raumlosen.“

IRRTUM

Gleich einem Fehler
des göttlichen Lapsus
bin ich von meinem
eigenen Blut verführt.
Rot sei die Farbe,
womit ich meine Träume ausmale.
Gleich einem Seufzer
der göttlichen Reue,
möchte mein eigenes Blut
mich entführen.
Es sei durstig.
Als das Wesen
der ewigen Geduld,
warte ich auf den Ausgang
des Streits
zwischen Gestern, Heute und Morgen
über dem abgesperrten Raum.
Und die Wahrheit meines Blutes?
Der Himmel bebt herrlich.
Aufbrechend aus meinem Inneren
und absteigend in meine Sphäre,
ergibt sich Gott
seinem eigenen Irrtum…

Be Zoban







Mea culpa
Alles mein!
Die Lügen
Intrigen
die Macht und der Hohn.
Mea culpa
Alles mein!
Für euch bleibt
der abgenagte Knochen!
Beißt Euch daran die Zähne aus
auf dass ihr zahm werdet
wie die Kälber
die ihrem Schlächter die Hände lecken
bevor ihr Blut an gekachelte Wände spritzt.
Fallt auf die Knie
betet zum Mammon und zu den Herrschern der Welt
deren goldenen Kutschen über Leichen fahren
während ihre Lippen hinter getönten Fensterscheiben
die Worte formen:
Omnium vestrum erit flagitium
Und dann begreift den Irrtum!
(Omnium vestrum erit flagitium – alles eure Schuld)

UH







„Man fragt sich, woher das Bewusstsein seine Fähigkeit, naturwidrig sein zu können, eigentlich bezieht und was solche Eigenmächtigkeit wohl bedeutet“
C.G.Jung

archaisch …
(an C.G.Jung)

Prolog.
ich war mir fast immer sicher,
ich wüsste, was andere Menschen denken
und dass ich sehen kann, was in mir nicht ist,
ladete mir dadurch, ich, der Vergessene, neue Lasten auf …

nur derjenige, der seinen Schatten kennt,
weiß von seiner Nichtharmlosigkeit,
doch wie könnte man dies tun,
wenn man sich selbst nicht sehen kann
in einer so unbewussten Dunkelheit,
die man mit sich trägt,
die den eigenen Schatten verbirgt?

Monolog.
und oft war mir der Rückweg nicht möglich,
die alten Pfade und die Antworten, die sie mir gaben,
kannten meine Zukunft auch nicht
und ich, der Vergessene, begann
die bequemen, alten Steine zu ersetzten …

ja, ein Zerstörer ist der bauende Mensch,
überwältigt von Illusionen,
geflossen aus einer archaischen Psyche,
so archaisch, als ob sie schon immer archaisch war …

ich nannte es die ewige Suche
und was mir letztendlich blieb,
war nur die unabhängige Idee des Guten …

DD






Irgendwo





Irgendwo endet im Nirgendwo

Das Glück suche ich irgendwo
Und auch die Liebe ebendort.
Die Hoffnung trägt mich sowieso
Um Vieles weiter von mir fort.

Ausgebrannt, im freien Fall,
Verglühe ich am Ende.
Ein verträumter Blick ins All,
Leer bleiben meine Hände.
Wo ich all die Freuden wähne,

Ich find‘ sie niemals anderswo.
Was ich wahrlich mir ersehne,
Ist nur in mir, sonst nirgendwo.

HH






Eine Orchidee neigt ihre Köpfchen.
Der Sommerwind singt ihr ein Lied.
Der fernen Husche letzte Tröpfchen,
leuchten hell wie ein Gebet.

Irgendwo wird es schon sein.
Auf Erden hier im All ganz klein.
Fühl mich sehend, gleich wie blind.
Oh Erde, sag mir wo wir sind.
Wo berauscht uns noch der Duft?

Irgendwo im Sommerwind.
Dicke Tropfen auf dem Kopf?
Himmel ach, was sind wir blind.

Maria Hoffmann







Wie schön sie ist
die Welt in dieser Zeit.
Die Engel haben Sternenstaub gestreut.
Doch schwer sind sie geworden
die Träume.
Nächte dunkler als sie jemals waren
und auch am Tag
kein Blick hin zur Unendlichkeit.
Leise die Klagen.
Nicht einmal mehr die Kirchenväter spenden Trost.
Zu viel Leid lässt verstummen.
Leere!
Ausgeräumte Herzen
schlagen im Rhythmus der Macht
gleichgültig
monoton
solang´ bis sie zerbrechen.
Parolenschreie hinter Masken
Du hast dich selbst als Opfer auserkoren
irgendwo.

UH






Reise

Befestigt in säulenlosen Kugel,
reise ich nach irgendwo, nirgendwo.
Wo ist WO?
Der Himmel?
Wie soll ich wissen,
wo der Himmel sei?
Über meinem Kopf,
unter meinen Füßen,
links, rechts, vorne, hinten?
Was sind sie für Begriffe?
Wer hat es festgelegt?
Emaniert sich alles von mir aus?
Eins weiß ich gewiss,
dass ich davon nichts weiß
und meinesgleichen auch nicht.
So, im Rausch des Rauchs
und Nebels
reise ich in mir hinein.
Irgendwo…

Be Zoban







Irgendwo

verlor sich
die Spur
eingegraben in
einen Feldweg
tief in die Erde
Wagenrad
tief
nach einem
starken Regenguss
steht dort das Wasser
knöcheltief
manch einer springt
darüber
daran vorbei
der Wind fegt
im Herbst
darüber
schiebt den feinen
Sand über das
Feld
zerstäubt
legt Erinnerungen
darunter frei
später in den
anbrechenden
Kerzennächten
knarzen die Achsen
von der Last
weil sie hin und her
durch die tiefen
Spuren geschüttelt
werden
links
rechts
links
rechts
friedlich wird
sich der Schnee
darüber legen
der Wind leckt dann
über die gefrorenen
Flocken
konserviert die
Lebensspuren
dunkles wandelt ins Weiß
Weißes verblasst ins
Schmutzig graue
Irgendwo
liegen diese Spuren
hinter meinem
Horizont
Glatt geschliffene
ehemals tiefe
Wagenrad spuren
freundlich eingerahmt
von den Wildblüten
an den Feldkanten
Ich
ziehe weiter
den Schwalben
hinterher.

Arno Gobetto












Wie Glyzinien

Sie tragen das Kainsmal.
Schmerz im Krieg verreckt,
bleiben Tränen und Qual.
Das Haupt im Trümmerkleid,
ertrinken Flüchtlinge
an der Gleichgültigkeit.

Doch in blaßblauer Zeit,
ranken irgendwo Finger
wie Glyzinien so weit.
Zart mit Namen und Klang
winden sich aus der Not
am Kyrie entlang.

ba







immer noch, irgendwo …

nackte Landschaften rosten
am Wegesrand in Zeitwogen,
uns trübselig erinnernd, in rohen Nebeln,
an den einen Traum, so verrückt,
in dem man alles vergisst,
als wäre man neu geboren …

der ruhig schreitet und selbstbewusst
über die Körner des Wahnsinns
und deren Blühflamme entfacht
schwebend tanzend, wie immer,
über den Ort, den wir Irgendwo nennen …

und wieviele Analogien und Grenzen
können gezogen werden
zwischen dem, was war und nun,
zwischen Tod und Leben,
zwischen uns und dem Rest der Welt …

DD



Angst

Noch immer ANGST?
.
Immer noch die Angst.
Richtig, wirklich Angst?
Ja, hast du sie denn immer noch?
Dann setz Dich hier zu mir,
an all die alten Feuer.
.
Wessen ist die alte Angst?
Was nur ist Dir nicht geheuer?
Sind´s die seltsam Unsichtbaren?
Alle deine Ängste?
.
Sie werden nicht durch Furchtgefeuer
schweben oder gehen.
Denn Sie können nicht!!
.
Melancholisch zitternd,
werfe Äste in die Glut.
Bedenk dabei all die Ängste.
Stelle Dich der Fürchte Wut.
.
Es sind nur deine eigenen,
so hoch und nieder hingebeteten,
bösen Angstgespenster.
.
Erwarte hier mit mir die Nacht,
bebe nicht, wenn es kurz kracht.
Ist nur ein Riss in deinem Fenster,
aus dem heraus du bitter lachst.
.
Hast du noch die Angst in dir?
So viel an Seele, tief mit mir.
Fühl die Nacht im Feuerschein,
Schweigen, Ruhe und allein.
.
Hab keine Angst, ich nehm sie dir.
Sei in Ruhe, glaube Dir!

RM








Why again

Manchmal ist die Angst ein bellender Hund
und spielt mit dir.
Jetzt oder nie, Zweifel.
Freund oder Feind.
Vertrauen oder träumen.
Ohne Anleitung.
Fasten seat belts, please. Und, du merkst es.
Das Echo klopft
schon lange aus der Ferne.
Wo?
Nord oder Süd?
Anständig
gehorsam der Drang.
Lust die sich ins Fleisch schneidet.
Weil wir uns beeilen.
Raus mit dem Hund.

CS






Angst steigert den Abwehrmechanismus, erhöht die Wachsamkeit, rüstet gegen die Gefahren aus…
Doch Angstphobie ist eine Krankheit.


FURCHT VOR ANGST

Die Angst plagt ihn,
der; der am lautesten schreit,
damit teilt er seine Angst
mit den anderen.
Er ist unruhig
und beunruhigt die anderen.
Wovor hat er Angst?
Angst, um sein Status,
seine Aura zu verlieren.
Er fürchtet sich,
um entlarvt zu werden,
da er selbst der Zeit
nicht gewachsen ist
und mit dem Finger
auf die anderen zeigt.
Er fürchtet sich davor
Angst zu haben.
Aus Angst
macht er sich groß,
benimmt sich wichtig
und tyrannisiert mich.
Aus einem Minderwertigkeitsgefühl
mindert er die Werte der anderen
Er bestrebt sich ständig
zu behaupten.
Er rüstet sich stets aus.
Angst zu haben ist gerecht
und menschlich.
Doch,
er hat Angst vor der Angst.

Be Zoban






Unter der Schale

Masken, bunte Masken tragen,
Es herrschen Krieg und Heidenangst.
Lass dich nicht ins Boxhorn jagen,
Von Liedern, die du dereinst sangst.

Der Oberflächendruck ist groß,
Risse schon die Krusten zeigen.
Stets stellt sich das Humane bloß,
Eher wir zur Wildnis neigen.

Was nützt der Zauber der Kultur,
Sind Volk und Führer bildungsfern?
Von Menschlichkeit bleibt keine Spur,
Bricht auf des Menschen wahrer Kern.

Ein Ich, so weit wie Galaxien,
Mit maturiertem Kleingehirn,
Fühlt sich in kühnen Phantasien
Wahrhaftig als Zentralgestirn.

Als gekrönte Schöpfung hält er
Sich für des Menschen letzten Schrei.
Durch des Egos Ängste fällt er
Jedoch als Unmensch auf dabei.

HH







Angst

Dumpfes ahnend. Das Gesicht
zu einem Lächeln verzerrend.
Unruhiger die Minuten suchen
wo sind des Kopfes Herren?

Wohin, wenn alles ist verschlossen?
Wenn nasse Kälte heiß am pochen.
Wenn der Körper bebt im Schweiße
Und Kälte kratzt in deinen Knochen.

Der Boden aufhört wahr zu sein und
aus ist jeder Kerzenschein
Gekrümmt wie zuletzt im Mutterleib
Klein

Wie ein Staubkorn aufgesaugt.
Stickig als ob die Luft versucht
dich von innen anzudicken
bis du fürchtest zu ersticken.

Der Tot erscheint dir greifbar nahe.
Du möchtest schreien und bleibst stumm
Japsend nur bist unter Tage
Der Raum ist still und dreht sich um.

Maria Hoffmann







„Ängste, in denen wir uns versteckt hielten, als wären es Höhlen“
Michael Ondaatje -Der englische Patient-

hinter sieben türschlössern

dicht an hauswänden entlang
stützt die hand nicht
die angst folgt der kältespur
durch enge gassen
weite des horizontes
gilt ihr nichts mehr
gelähmt und fest eingeschnürt
flattert ihr blick
das blütenkleid der wunder
verdorrt und grau
blinde fenster
hinter sieben türschlössern
bis ja bis leis
ein vogellaut zu ihr dringt
fenster öffnet
und fliederduft sich verströmt

ba







„C…..“

Unbekannte Gefahren
lauern ein Leben
lang
das Hohe „C“
das über uns
hereinbrach
veränderte so vieles
die Angst
veränderte alles
Synapsen im Sturm
fegten die Straßen
leer Hamster
verkrochen sich
in ihren Höhlen
wenn sie gefüllt
waren
Angst ist kein guter
Ratgeber
wenn sie in Ohnmacht
umschlägt
der Alltag ist nun
vom Mummenschanz
geprägt
Bunter Maskenball
zu jeder Tageszeit
ganz ohne Karneval
Liebe deine Maske
wie dich selbst

Arno Gobetto







Unendlich scheint der Weg des Lebens
doch unbemerkt fast leicht
rückt näher er der letzte Abschied.
In jedem Atemzug
auf jedem Pfad
egal ob breit oder ganz eng
in jedem Schritt
ganz gleich ob zaghaft oder stark
in jedem Sommerregen
in dem Erinnerungen fallen wie Regentropfen auf dein Haar
bei jedem Apfel neuer Ernte
selbst wenn das Holz so lustig knistert im Kamin
Erwartungen an Frühling sprießen
wie erste Pflänzchen nach dem Schnee die Zeit
sie trägt uns wie der Wind das Blatt.
Am Strand schau´n wir der Sehnsucht nach
doch irgendetwas drängt uns
weiter – weiter!
Blick dich nicht um
hab´ keine Angst
denn hinter dir hat längst das Meer
mit seiner Melodie des Wellengangs
die Spuren deines Seins verwischt.

UH







Angst …

ein Südwind war es,
der Meeresluft zu uns brachte,
stets jung und ungezähmt
– welch Meere er durchstreifte,
dunkle Wolken er vertrieb –

und wir dachten, er wird niemals müde,
weiße Segel brächten Glück …

nur für einen Moment blieb er stehen,
unter ihm dehnte sich,
umsäumt von zu weiten Horizonten,
die ungeheure Weite aus …

seit langem weht er nicht mehr,
verloren irgendwo da draußen,
unterm Himmel blass … und still …

DD








der Dichter

Er sitzt
mal steht er
läuft umher.
Er denkt und denkt
und denkt viel mehr.
Der heiße Gram das Leib durchbohrend
So viele reden, reden, redend.
Widersprechend, sie nicht störend.
Ein jeder, der ist informiert.
Der andere wird attackiert.
Hüben wie nüben und zurück.
Es bricht die Wahrheit Stück um Stück.
Nur brennend‘ Tränen und gebückt.
So klein, er sucht sie
dreht bald durch.
Die Aussaat 20 ist die Furcht.
Der Dichter steht auf grüner Flur.
Fürwahr, das Licht, es leuchtet ehrlich.
Es durchdringt ihn durch und durch.
Der Duft des Frühjahrs nicht gefährlich.
Das Denken lässt er lieber sein.
Schickt ein Lächeln in die Weite.
Singt Goethe in den Sonnenschein:
„Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein“.

Maria Hoffmann

 

 

 

 

 

Nachtgedanken (Auszug)
Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
Und meine heißen Tränen fließen.

Heinrich Heine (1797 – 1856)

 

Dichter…

Heine ,
der große Dichter
schrieb die Nachtgedanken
im Pariser Exil, zur
Revolutionären Vormärzzeit
eine Zeit großer
Umwälzungen im Leben
der Menschen
sollten wir die Texte heute
nicht wieder mal
verinnerlichen ?
Es steht keine
Revolution ins Haus
der Nationalstaat unter
dem Europäischen Dach
funktioniert, gerade jetzt
in einer existenziellen Krise
die ein unsichtbares Virus
in die Welt gestreut hat
Dichter sind in den
unterschiedlichsten
sprachlichen Regionen
unterwegs
Kritische Texte gab es
von Ihnen zu allen Zeiten
als Mahner, als Warner
gerade in Zeiten
in denen die
Freiheitsrechte bedroht
waren
Sind sie heute bedroht ?
Sie sind im Leben
des einzelnen, spürbar
eingeschränkt
sie treffen alle gleich
weil der Schutz des
einzelnen Bürgers
durch ein Virus
bedroht ist
wir haben die Pflicht
und auch das Recht
jederzeit zu hinterfragen
ob diese Einschränkungen
gerechtfertigt bleiben
Dichter sind nicht nur
für die zeitlos schöne
Poesie da
die den Menschen
Freude und Kurzweil
beschert
wir sind auch
kritische Denker
Bürger allenthalben
mit vielen unterschiedlichen
Blickwinkeln
die Alten..Dichter
bleiben aktuell
ihre Patina
glänzt auch heute.

Arno Gobetto

 

 

 

Der Brief

Hier vor mir der Brief,
den ich nicht senden kann.
Wer weiß, vielleicht
tue ich es doch,
irgendwie und irgendwann.
Der Füller ist mir schwer geworden,
Stahlbeton in grauem Morgen.
Hab ich denn das richtige
in die Zeilen eingeschrieben?
Von dem bisschen kleinem Schmerz,
der mir hier geblieben?
Die Nächte, die zum Morgen werden,
das Dunkel, dass mir Tage sind.
Heute sind vergangene Worte,
gesprochen wird so vieles.
Letzter alter kalter Wind.
Grausig schwer ist nun die Schrift,
wenn Liebe Einsamkeit umschifft.
Nirgends da ist noch Erkennen,
in Wörtern sich aufs Neu verrennen.
Hier vor mir der Brief,
den ich nicht senden kann.
Und nun wird mir so vieles klar.
Der Umschlag fehlt, der Adressat.
Hier vor mir der Brief,
den ich nicht senden kann und darf.

Ralf Maul

 

 

 

 

„Mein schönstes Gedicht?
Ich schrieb es nicht.
Aus tiefsten Tiefen stieg es.
Ich schwieg es.“
Mascha Kaléko

 

Im Nebeltritt

Einst Dichterfürsten
schon alles gereimt,
Blut und Freud
mit Odem verseh‘n.
Mir Brot und Rose
zum Leben.

Der Zeit ins Gesicht,
ring‘ ich ums Wort
Frag‘ es streng.
Lausch‘ im Nebeltritt
meiner Verse Klang.

Schreib‘ sie ein
ins Zeitengewirr,
dem Tag einen Glanz
zu verleih‘n.

ba

 

 

 

 

 

DER DICHTER

Charismatisch, scharfsinnig
mit markanten Tönen,
brillanter Logik, Ironie und Vernunft
kritisierte er die Menschen,
begeisterte und imponierte er
die Massen.
Der Vagabund schlich sich
an ihn heran und fragte verlegen,
wer er sei.
Der Redner entgegnete,
er sei ein Dichter, ein Wegweiser,
er entlarve die Bösen der Gesellschaft.
Der Vagabund sagte leiser:
„Ein Dichter sei ein Künstler.
Er sehe zuerst,
wo die Probleme liegen.
Er sehe zuerst,
die Schönheit der Natur,
des Universums und den Menschen.
Er empfange eine Botschaft
in seinem Herzen.
Er wiege es, realisiere es
nach seiner Sichtweise,
nehme ein Emblem, beschreibe es
und präsentiere es unparteiisch weiter.
Die Mitmenschen verfügen über das Recht,
es zu beurteilen.
„Doch die Menschen seien das Problem.“
Beharrte der Dichter.
Der Vagabund weiter:
„Die Probleme seien das Problem.
Der Dichter sei nicht vollkommen.
Er sei nicht befugt
die Grenze zwischen
Gut und Böse festzulegen,
er kritisiere die Mängel aus seiner Sicht,
er kritisiere ein System
der Gedanken und des Handelns,
er leite ungeahnt die Mitmenschen,
er prophezeie für die Zukunft.
Ob ästhetisch oder Katharsis
seien seine Kritiken
sowohl positiv als auch negativ,
jedoch konstruktiv.
Er erlaube sich nicht
den Finger auf eine Person zu richten,
die Menschen zu verurteilen.
Befehle zu erteilen.“
Der gutmütige Dichter
wurde nachdenklich
und bedankend
stieg er aus dem Podium…

Be Zoban

 

 

 

 

 

 

Vielleicht braucht diese Zeilen
Nur jener Dichter der sie schrieb
Die Welt
Sie braucht sie nicht
Kein Mensch kann durch ihr Dasein
Nur eine Stunde länger leben
Als ihm das Schicksal zugesteht
Kein Tier entgeht durch sie dem Leid
Das ihn gerad´ jetzt wird angetan
Nicht mal die Blume
Die zwischen Steinen zaghaft blüht
Erhält den Tropfen Wasser mehr
Den sie so dringend für ihr kleines Leben bräuchte
Doch dem
Der sie in dunkler Nacht auf das Papier geweint
Dem schenken sie ein kleines Stückchen Frieden
Und einen tiefen Atemzug

UH

 

 

 

Gedankenverloren

Gefangen im Zeitraum
Denkender Permanenz,
Schlummert in mir der Traum
Göttlicher Transzendenz.

Wörter aus den Denkkaskaden
Hüpfen fröhlich durcheinand‘,
Werden höflich eingeladen,
Will ordnen sie des Denkers Hand.

Im Körper eingeengt,
Verlustig aller Macht,
Weil Ohnmacht nun verdrängt,
Was wir uns ausgedacht.

Wörter aus der Angst geboren,
Mit Tränen schrieb der Trennungsschmerz.
Wo das Denken hat verloren,
Entströmt es aus dem Dichterherz.

Bin ich von mir befreit,
Liebe mich durchlichtet.
Zu allem nun bereit,
Das ich mir erdichtet.

Wort um Wort aus Licht geschmiedet,
Wie edler Stein in Gold gefasst.
Alle Angst wird erst befriedet,
Wenn die Idee von dir verblasst.

HH

 

 

 

 

Poet …

lichtgebrochen durch Seelenprismen,
zermalmte Poeme
weinen sich aus an meiner Schulter …

Lass dich sprechen, Poet!
wir könnten sagen, es ist Winter,
da der Sommer im kühlen Wind erstirbt
und um zu verbergen
die unsichtbaren Flecken,
mit unseren langen Haaren
könnten wir unsere Gesichter verdecken …

selbst die Ängste bleiben fern,
gierig nach Regen,
ungehemmt einfältig und ungewaschen …

Poet, lass dich sprechen!

DD

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lüge

 

 

 

Wo Wahrheit und Lüge enden

Festes zu gebären
Strömt Atman aus Brahman.
Liebevoll gewähren
Darf’s, ist’s noch so profan.

Profan war schon immer
Das Wesen der Allmacht.
Und Lügen wird schlimmer,
Wenn die Gier ihr erwacht.

Erwacht einst das Selbst dann
Und birst Brahmans Spiegel,
Weil als Gott ich es kann,
Zerbrech‘ ich die Siegel.

HH

 

 

 

 

Ich schenke den Lügnern gerne meinen Glauben
Ich vertraue denen, die mich missachten
Ich nehme mir Zeit
für alle
die mich in ihren Gedanken überspringen
Ich lächle mit meinen Feinden
Weil sie bemüht sind
Mich zu linken
und zu hassen
viel intensiver
als jene
die behaupten
mich zu lieben

Inlovewithmyself

CS

 

 

 

 

 

LÜGE

Nach langem Aufenthalt
in dem prachtlosen kalten Winter,
wo der Schnee seine eigene Farbe fraß,
erwartete ich eine herrliche Saison,
wo die Blumen mich lächelnd begrüßten,
wo die Wärme meine Haut verehrte.
Doch dann erschien der April
mit seinem janusköpfigen Gesicht.
Und mich durstig stehenlassend,
flog der Regen himmelsaufwärts.
Ist es die Lüge,
was der April in sich beherbergt?
Die unberechenbare Braut
des Himmels,
tyrannisiert ihre Bewohner.
Der Himmel liebt die Erde nicht,
die Erde ihrerseits ihre Kinder.
Der Himmel, die Erde, die Liebe
verkörpert eine Lüge.
Vernachlässigend seiner eigenen Worte,
glaubt der Gott
an sich selbst nicht mehr.
Eine Lüge sei
der Gott der Wirklichkeit
und des Wortes.
Was suche Ich
in diesem zerbrechlichen Bund?
Bin ich gleichwohl eine Lüge,
oder ist die Lüge eine Lüge?

Be Zoban

 

 

 

 

Das Lügengebäude

Du zimmerst in den Wind
Immer neue Ecken
Zum Lügengebäude
Die Fenster blind und leer
Trau’ ich deinen Worten
Will dich nicht erkennen

Du beteuerst Unschuld
Balken biegen sich durch
Angst vor Entdeckung sind
Dir nächtliche Monster
Dann bricht es zusammen

Schutt und Asche bleiben
Mit Zagen und Pein
Das Herz in deiner Hand
Suchst du mich unter Stein
Du fiindest mich nicht mehr
Nur noch mein rotes Tuch

Ba

 

 

 
Nuancen verschwimmen zu Feldern.
Schnatterndes Flimmern,
Sequenzenwechsel
Fast wie im Traum.

Kreischend verbindend
Wohin kannst du schauen?
Erkennst du die Lügen?
Kannst du deinen Gedanken trauen?

In der Schwäche liegt die Kraft.
Hör nicht hin
und lausch ganz sacht
hinein, in deinen stillen Ort.

Was schmerzt –
sag
Was schmerzt dich dort?

Maria Hoffmann

 

 

 
Zur Lüge

Bald schon werd ich gehen
und draussen vor der Tür,
sind all die Säcke vollgepackt
mit den Resten dieser Nacht.

Natürlich nah, so fremd,
hochbeladen mit dem Willen.
Seltsam einig und ganz innen,
mit allen Sinnen so sehr fremd.

Bald wirst du auch gehen,
so wie ich noch rückwärts sehen.
Ohne Wissen und Verstehen.
Liebe nur zu Lehen.

Oben wird zu Unten,
ohne Wissen und Verstehen.

Als sich die Liebesbalken bogen,
wie hatten wir belogen und betrogen.

Ohne Wissen und Verstehen.
Und draussen sind die Säcke.
Vollgepackt.
Schleppend durch die neue Nacht.

RM

 

 

 

 

LÜGE

Wir teilen sie
und schwören
bestreiten nichts
lassen sie wachsen
wiederholen
eingesperrt wieder und wieder
dasselbe
bis wir glauben
nicht fühlen
weil wir glauben wollen
dass wir glauben müssen
an irgendetwas
um nicht zu fallen
zu verzweifeln an dem
was wir sehen wenn wir ehrlich sind
zu uns.

UH

 

 

 

 

 

Lüge …

unabhängig von der Wahrheit
und unabhängig von der Realität
bleibt die Lüge nur der Ausdruck dessen,
was nicht dem eigenen Glauben entspricht
und das Glauben im Herzen
entscheidet über den nächsten Schritt …

das goldene Haar meiner Mimesis
erglänzt meinen Herbst,
in Sehnsucht mir vorzutanzen
das Neubilden der Namen,
ferm wie ein Fels, wie ein Ganzes,
wie etwas Vergessenes leicht …

und die Wirklichkeit,
außerhalb meines kartesischen Geistes,
weiß, dass es keine Lüge ist …

DD

 

 

 

 

 

Fantasie

Wo stünde der Mensch ohne Fantasie?
Wäre das Feuer schon gezähmt und das Rad erfunden?
Treibt uns nicht die Fantasie zu den Sternen und darüber hinaus?

 

 

FANTASIE

Emporsteigend auf den Flügeln
des Rosses der Gedanken,
thronend auf dem Dach
der Unerreichbaren,
schaute ich vorurteilsvoll
was die Geschöpfe anstellten.
Drumherum roch es nur noch
nach bösen Taten.
Mutig und voller Wucht,
ließ ich es nicht zu,
dass er sein Heim,
seinen Dschungel ruiniert,
seinen nächsten ausbeutet
und befreite ich zugleich
die Schweigsamen
aus dem Schlachthof.
Die ängstliche Stimme
meiner privaten Dienerin
rückte mich
in die Wirklichkeit zurück,
fragend ob sie
das Stück Vieh in meinem Munde,
welches verderbte,
entsorgen und mir ein Neues
opfern sollte…

Be Zoban

 

 

 

 

 

Sich findende Materie
Nicht ganz sicher ihres Seins.
Suchend in der Leere
die keine ist nur all und eins.

Während Sonnen kämpfen
tanzen um und wild herum.
Schlägt eine in die andere
Verschwindet nicht –

sie formt sich um.
Fliegt einem flüssigen Seidentuche gleich,
wie ein Vogel hin zum Teich.
Zur nächsten Sonne wohl hinein.

Dies sollte nur der Anfang sein.

Es wiederholt sich dieses Spiel
Ich seh nur zu und weiß nicht viel
Wohl einen Körper hab ich nicht.
Ebenso wie ein Gesicht

Mit was nur Kinder,
frag ich mich.
Mit was nur bitte
sehe ich?

Maria Hoffmann

 

 

 

 

 

Seltsam sanft

Deine Fingerkuppen
Haltend helle Augen
Aus bösem Traum heraus
in Deinem Arme aufgewacht

Alleine mich nun sehend
Das Sinnen um das Eine
es dreht sich laut in dem Vollbracht

Schön die Folge
Traumgefüge
Der Kater aller Aufwachzeiten
Er kratzt Dich tief mit sanften Krallen
Ein Traum in sich
Der leise lacht

RM

 

 

 

 

 

Infinitus imagination

Aus dem Herzen strömen Lieder,
Die ganz leis‘ von Liebe singen,
Hallen in den Zellen wider,
Bis durch Fantasien sie klingen.

So tritt hervor durch mich die Welt,
Bis will Stille in mir werden.
Wenn dann auch noch der Vorhang fällt,
Weilt das Göttliche auf Erden.

HH

 

 

 

 
„Ohne Fantasie keine Kunst“
(Franz Liszt)

Fantasie,
du Fabelwesen,
Wegspuren durch Blütenschnee
und Fieberträume:
Du schüttelst deinen Mantel
über Wortzeichen,
auf Notenpapier, Leinwand
wild durcheinander.
Setzt Segel auf Luftschiffe
ohne Seekarte,
wirfst uns Rettungsanker zu
mit bunten Bändern.
Willst uns bergen und laben,
fordern und trösten,
im Widerschein der Meister.

ba

 

 

 

 

 

Ich will mich nicht an ihr sattessen und auch nicht ganz fern sein und auch nicht, überhaupt nicht frei sein von ihrer Darbietung, ihrer Lust und Inspiration – und eng an ihrem Entfremden liebe ich sie, und/oder sie macht Angst. Die Fantasie und ihre Geister
Fäden ziehen Kreise.
Bunt im Bund. Und.
Wer lernen will, braucht das Wissen aller Alten und ‚Ein‘… und deren ‚Und‘.
Ohne jene müssten wir einen Türrahmen neu erfinden und Brücken, die wir überqueren erst bauen, und erst lernen zu vertrauen durch… und drüber.
Gehen.
„Und als das Meer noch rauschen übte waren wir schon Liebe.“
Es wird nicht unsere Fantasie sein, die uns umbringt, es wird der Mangel an ihr sein.
Das war schon gestern klar, als das Zweifeln dem Dunst den Nebel abnahm.

CS

 

 

 

 

 

Wenn zwischen Traum und Wirklichkeit
das Licht erlöscht
bleibt nur die Fantasie
die es nicht scheut
auch dunkle Wege zu beschreiten
Ist sie der Schein
geboren aus dem Geist der Ewigkeit
dann wäre sie unsterblich
und in der schweren Zeit wenn dich der Tod berührt
vielleicht dein einzig wahrer Freund

UH

 

 

 

 

 

Spaziergang …

auch ich fürchtete schon immer,
die Anstrengung von bergigen Straßen,
so ging ich bergab durch meine Täler …

als ich Kafka’s Traum träumte,
waren die Täler grün,
zu den Sternen blickte ich stumm
und da auch ich Fichtenwälder liebte,
ging ich auch durch solche,
nur die dunklen Wolken sah ich nicht,
unbesorgt ging ich weiter …

vielleicht gibt es diese Rätsel,
die darauf warten, gelöst zu werden,
die Lösungen, die uns verraten,
was am Herbst so duftig ist …

diesen Traum, vielleicht gibt es ihn,
der die Regel verwirrt …

diesen Ast und diese Wurzel,
verstehend das Verwehen
der rostweinenden Rinde,
viel rostweinender als sie schon ist …

DD

 

 

 

 

 

 

Nacht

„Die Nächte lehren viel, was die Tage niemals wissen.“
aus Persien

 

 

NACHTFLÜSTERER

Wenn die Zeit sich allmählich
von dem Wein des Tages
berauschen lässt,
die Nacht auf der Jagt
die Geister schickt
und mich zum Leben beruft,
pflücke ich das letzte Tröpfchen
der dunklen Göttlichkeit,
um in der Erinnerung des Traumes
zu ertrinken,
welcher den Abdruck deiner Umrisse
in sich trägt.
So bewahre ich stetig
ein Stück Nacht in mir,
da sie deinen Duft
in ihrer ewigen Stille pflegt
und zum Ärger des Tages,
der großzügig meinen Weg erhellt,
flüstere ich
das geheimnisvolle Lied der Sehnsucht
in den Ohren
der längst schlafenden Nacht…

Be Zoban

 

 

 

 

 

La Nuit

So dunkel
ist der Wald.
Schreitend
durch die Schwärze.
Unter leisem Schritte
ein Zweiglein
krachend bricht.
Schwarze Pfeile,
fliegen sirrend
durch fahles
Mondenlicht.
Bohren sich
in Stämme ein.
Zittern bebend
lange noch.
Wartend auf
das Hell des Morgens.
Im Wind der Nacht
rauscht leises Lied.
Neu erwachen
soll der Tag,
aus des Traumes
tiefem Loch.

RM

 

 

 

 

Nacht

Du warst immer bei mir.
Hast mich stets getragen.
Verweiltest an meiner Seite.
Auch an hellen Sonnentagen.

Dein Kleid zierte mein Sein.
Ließest Pein in mich hinein.
Um dann zu deiner Zeit
im Rausche bunt zu taumeln.

In Leichtigkeit zu Staunen
und voll der Angst
vor Sonnenlicht
bat ich: Nacht, verlass mich nicht.

So waren Tage mir nur Lügen.
Mein Lachen da um euch zu trügen.
Fühlte Licht nur in den Schmerzen.
Klingen leuchteten wie Kerzen.

Bis ich begriffen habe.
Ich entscheide.
Ob ich dich nur blind verehr
und leide

oder ob ich seh das Licht,
welches stets auch in den Nächten
voll der Liebe zu mir
spricht.

Maria Hoffmann

 

 

 

 

Es wird dunkel. Am Tisch
sitzen weckt die Kommunikation.
Die Nacht fürchten ist kein Muss, nur manchmal ein Übel des Grübeln.
Es wird dunkel, das weckt.
Sinnlichkeit im Sinn.
Und des Manchen Sein.
Anders mein, Meins, welches Sonne ersehnt, seht, der Sand ist fern und das Licht blass.
Der Mond schenkt sich für ein paar Stunden und ich werde nicht wach, nach dunklen Stunden ohne Schlaf. Ich träume, träume meinen Tagtraum über den Nachmittag hinaus, und später nach dem Abendbrot.
Es wird dunkel.

CS

 

 

 

 

 

Über Nacht

Nächtens, die Gedanken schweben
Wie Spinnenfäden leicht daher.
Eulen fleißig sie verweben
Zu Phantasien und auch mehr.

Weil Denken ohne Widerhall
Sich kraftvoll ausdehnt ewig weit,
Sehnsucht funkt ein Lichtsignal,
Bis die Sonne nach Taten schreit.

Nur schemenhaft hat in der Nacht
Ein schwingungshoher Schöpfer – Geist
Sich eine neue Welt erdacht,
Die morgens ihn willkommen heißt.

Eingeprägtes ich entstaube
Von uralten Spinngeweben.
Freiwillig ich mir erlaube
Neu die Welt auch zu erleben.

HH

 

 

 

 

Fragmente (17)

Die Nacht
verliebt sich in dein
Saitenspiel
berührt von
Harfenklang
verführt in
mildem
Kerzenschein
verbinden
Resonanzen
melodiös
das Körperspiel
in Kreisenden
Bewegungen
Metamorphosen
durchleben wir
berührt von
Harfenklang
verführt ….

Arno Gobbetto

 

 

 

 

 

 

Nachts,
im Sternenglanz
sammle ich ein,
lege ich aus:

Erdgewitter,
Himmelstücher,
Seelenklänge,
Wortgeflatter.

Lausche dem Hall,
dem Donnergroll,
flüchtigem Laut,
bis es sanft stillt.

Nur ein Lachen
bleibt und perlt,
springt in meinen
Traum.

ba

 

 

 

 

 

So wie der Himmel und das Meer
Die Farben und das Licht
Der Mensch und diese Erde
Nur miteinander leben können
Weil einer nicht ohne den and´ren will
So sind auch Nacht und Tag
Nur stark und sanft weil sie das Ganze bilden
Der Zauber ihrer Liebe ein kurzer Reigen bloß
Doch jede Dämmerung lässt es uns spüren

UH

 

 

 

 

 

Nacht …

wie eine Absicht
eines sorglosen Schattens
fällt über uns die Nacht ein,
abgelegt die goldenen Kronen,
angezogen die Socken aus Blei …

es sind unsere Strukturen,
die durch unsere Fugen zerrinnen,
es sind unsere Worte,
die nichts mehr sagen können,
ihre Spuren, die es tun …

nur eine Wahrheit
bleibt für die Wahrsager übrig
jenseits dieser Nacht,
eine Nacht
als wäre sie die letzte …

DD